Textilreinigungen verfügen über verschiedene
Behandlungsmethoden, mit denen sich Bekleidung und Heimtextilien pflegen
lassen. Welches Verfahren zur Anwendung kommt hängt dabei in erster Linie
von den Materialeigenschaften ab. Für Naturfasern wie Wolle oder Seide empfiehlt
sich eine Lösemittelbehandlung, während Textilien aus Kunstfasern darüber
hinaus auch einer Nassreinigung unterzogen werden können.
Eingesetzt werden heute folgende Reinigungsmethoden:
Perchlorethylen:
Perchlorethylen, kurz Per genannt, ist eine chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Chlor. Per wird bereits seit vielen Jahrzehnten zum Reinigen von Textilien eingesetzt und ist derzeit das weltweit mit Abstand am meisten verbreitete Lösemittel in Textilreinigungen.
Per besitzt eine hervorragende Reinigungswirkung und eignet sich für die Pflege aller Textilien. Strenge gesetzliche Auflagen, langjährige Erfahrung im Umgang und der Anwendung des Lösemittels sowie modernste Maschinentechnologie ermöglichen eine schonende und umweltfreundliche Pflege der Textilien.
Per-Reinigungsmaschinen sind geschlossene Systeme, bei denen kein Lösemittel nach außen entweichen kann. Nach der Reinigung werden die Textilien in der Trommel getrocknet und das verdampfte Lösemittel fast vollständig recycelt und wiederverwendet. Auch die Schmutzrückstände aus der Destillation werden von autorisierten Firmen wiederaufbereitet und das zurückgewonnene Lösemittel erneut dem Reinigungskreislauf zugeführt. Zugelassene Messstellen und Überwachungsorganisationen wie der TÜV kontrollieren die Reinigungsanlagen zudem regelmäßig auf Funktionssicherheit und die Einhaltung der geforderten Umweltkriterien (z. B. Emissionswerte).
Kohlenwasserstoff-Lösemittel (KWL):
Die in Textilreinigungen verwendeten Kohlenwasserstoff-Lösemittel, kurz KWL, sind chemische Verbindungen, die ausschließlich aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen. Kohlenwasserstoffe kommen in gasförmigem, flüssigem und festen Zustand vor. Sie werden beispielsweise als Propangas und Heizöl zur Energiegewinnung im Haushalt oder in Form von Benzin als Treibstoff eingesetzt. In der Medizin und Kosmetik finden feste Kohlenwasserstoffe (Paraffine) zur Herstellung von Salben und Cremes Verwendung. Als Lösemittel zum Reinigen von Textilien werden moderne Kohlenwasserstoffe in Deutschland seit 1993 verwendet und wurden von der Industrie als Ersatz für das die Ozonschicht schädigende FCKW entwickelt. In der Textilreinigung eignet sich hochreines KWL vor allem zur schonenden Behandlung von empfindlichen und feinen Textilien wie Abendgarderobe oder Festbekleidung. In anderen Lösemitteln nicht beständige Färbungen, Drucke und nicht-textile Bestandteile lassen sich in KWL meistens ebenfalls ohne Schädigungen pflegen. Kleidungsstücke, die mit einem F im Kreis gekennzeichnet sind, dürfen ausschließlich mit KWL gereinigt werden.
Kohlenwasserstoffe, die in Deutschland als Lösemittel in Textilreinigungen verwendet werden, entsprechen den Anforderungen der Lebensmittel- und Bedarfsgegenständeverordnung und anderer gesetzlicher Vorschriften. Da die Neigung von Kohlenwasserstoffen in die Luft zu verdampfen sehr gering ist, und die Luft nur wenig KWL aufnehmen kann, ist der offene Umgang mit dem Lösemittel - etwa zur Fleckentfernung an speziellen Detachiertischen - erlaubt. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Kohlenwasserstoffe leicht entzündliche Verbindungen darstellen, und somit sowohl bei der Anwendung als auch bei der Anlagentechnik besondere Sicherheitsvorkehrungen zu beachten sind. Deshalb gibt es vorwiegend geschlossene Reinigungssysteme, die im Prinzip genauso funktionieren wie herkömmliche Reinigungsmaschinen. Wartung und einwandfreies Funktionieren der betriebenen KWL-Reinigungsmaschinen werden behördlich überwacht und zusätzlich durch betriebseigene Nachweise und Kontrollen gewährleistet.
Komprimiertes CO2:
Unter Druck verflüssigtes, sog. überkritisches CO2 wird seit Mitte der 1990er Jahre als Extraktionsmittel für Lebensmittel wie Kaffee oder Tee sowie zur Reinigung (Fettentfernung) von Leiterplatten eingesetzt. Einige wenige Firmen in Deutschland verwenden flüssiges CO2 seit kurzer Zeit darüber hinaus auch als Lösemittel in der Textilreinigung. Aufgrund der hydrophoben Eigenschaften von komprimiertem Kohlendioxid kann es ausschließlich fetthaltige Verschmutzungen entfernen. Durch die Zugabe von geringen Mengen Wasser sowie speziellen Reinigungsverstärkern lassen sich auch wasserlösliche Flecken teilweise entfernen. Trotzdem reicht flüssiges Kohlendioxid insgesamt nicht an die Reinigungswirkung herkömmlicher Lösemittel wie Per oder KWL heran. Deshalb ist eine kombinierte Pflege der Textilien in einer CO2-Maschine mit anschließender Nassreinigung erforderlich. Im Hinblick auf die Beständigkeit der in flüssigem CO2 gereinigten Textilien kann es bei nicht-textilen Bestandteilen aus Kunststoff durch zu schnelle Druckabsenkung nach der Reinigung zu Form- und Oberflächenveränderungen kommen. Andererseits ist mit dem Lösemittel eine besonders schonende Pflege von empfindlichen Textilien wie feinen Seidenstoffen, Laminaten oder Lederimitationen möglich.
CO2-Maschinen für die Textilreinigung funktionieren im Prinzip wie herkömmliche Reinigungsmaschinen, allerdings sind sie deutlich schwerer und dadurch teurer als diese, da zur Verflüssigung des Kohlendioxids ein Druck von ca. 60 bar erforderlich ist. Als Abfallprodukt vieler industrieller Prozesse ist CO2 jederzeit verfügbar und muss nicht gesondert hergestellt werden. Weniger Energie als bei den anderen Lösemitteln ist bei der Destillation der Schmutzrückstände sowie bei der Trocknung der Textilien nach der Reinigung notwendig. Diese erfolgen im wesentlichen durch die Absenkung des Anlagendrucks auf Umgebungsbedingungen, bei der das CO2 schlagartig verdampft. Energie ist jedoch zur neuerlichen Kompression des wieder gasförmig gewordenen Kohlendioxids notwendig.
Nassreinigung:
Ähnlich wie bei der Haushaltswäsche wird bei der sog. Nassreinigung Wasser als Schmutzlöser eingesetzt. Nassreinigungsmaschinen arbeiten jedoch textilschonender und umweltfreundlicher als entsprechende Haushaltsgeräte. Ermöglicht wird dies durch größere Waschtrommeln, geringere Trommelbewegungen und genau auf die Textilien abgestimmte Pflegeprogramme. Die Nassreinigung eignet sich in erster Linie für waschbare Textilien und solche, die mit dem neuen Pflegesymbol W im Kreis gekennzeichnet sind. Oftmals lassen sich aber auch Kleidungsstücke erfolgreich mit diesem Verfahren reinigen, die laut Pflegekennzeichnung nicht waschbar sind. Empfehlenswert ist die Nassreinigung darüber hinaus für großvolumige Heimtextilien wie Kissen, Decken, Vorhänge usw.
Die Abwässer einer Nassreinigungsmaschine belasten die Umwelt deutlich weniger als handelsübliche Waschmaschinen, da die zur Reinigung verwendeten Tenside nicht nur biologisch gut abbaubar, sondern auch alkalifrei sind, keine optischen Aufheller oder Bleichmittel enthalten, und die Abwässer zudem höchstens handwarm in die Kanalisation eingeleitet werden. Für Nassreinigungsmaschinen, die darüber hinaus besonders energieeffizient arbeiten und nicht mehr als zwölf Liter Wasser pro Kilogramm Hose, Gardine oder Anorak verbrauchen, können Textilreinigungen in Deutschland vom Umweltbundesamt das Öko-Siegel „Blauer Engel“ (RAL-42 104) erhalten.
Lösemittel / Reinigungstechnologien für die Textilreinigung
Perchlorethylen
- Verbreitung in Deutschland: ca. 70% aller Textilreinigungen
- Verwendung seit vielen Jahrzehnten
- Weltweit größte Verbreitung als Lösemittel in Textilreinigungen
- Optimal für fetthaltige und wachsartige Verschmutzungen
- Ideal für die Pflege von Naturfasern (Wolle, Seide, Leinen), da keine Faserquellung auftritt und somit keine Schädigungen wie Maßveränderungen oder Farbverluste auftreten
- Strenge Umweltauflagen
- Große Erfahrung und umfangreiches technologisches
- Know-how im Umgang mit Lösemittel
- geschlossene Reinigungssysteme
Kohlenwasserstoff-Lösemittel
- Verbreitung in Deutschland: ca. 30% aller Textilreinigungen
- Verwendung seit 1993 als Ersatz für FCKW
- Optimal für fetthaltige Verschmutzungen
- Besonders geeignet für empfindliche und feine Textilien sowie für Drucke, Färbungen und nichttextile Bestandteile, die in anderen Lösemitteln nicht beständig sind
- Offene Handhabung zur Vor-/Nachdetachur erlaubt, da wenig flüchtig
- Üblicherweise geschlossenen Reinigungssysteme
Komprimiertes CO2
- Verbreitung in Deutschland: wenige Anbieter im Markt
- Schmutzlöser = bei ca. 60 bar Druck verflüssigtes Kohlendioxid
- Ausschließlich geeignet für fetthaltige Verschmutzungen
- In Kombination mit Nassreinigungstechnologie auch für die Entfernung wassergebundener Flecken geeignet
- Insgesamt geringere Reinigungswirkung als herkömmliche Lösemittel
- Probleme im Hinblick auf die Beständigkeit von nicht-textilen Kunststoffbestandteilen bei zu schneller
- Druckreduzierung nach dem Reinigen
- teure und schwere Reinigungsmaschinen
- ökologische Vorteile (keine spezielle Herstellung des Lösemittels notwendig, keine zusätzliche Belastung der Atmosphäre durch Emissionen, geringerer Energieaufwand bei Trocknung und Schmutzdestillation)
- Nassreinigung Schmutzlöser = Wasser
- Optimal für großflächige, wassergebundene Verschmutzungen
- Geeignet für waschbare Bekleidung und Textilien, die mit dem Nassreinigungssymbol gekennzeichnet
- sind; u. U. auch für nicht waschbare Textilien
- Ideal für großvolumige Textilien (Kissen, Decken, Vorhänge, Tischdecken etc.)
- Textilschonendes Verfahren (große Trommel, geringere mechanische Bewegung, individuelle Waschprogramme)
- Umweltfreundliches Verfahren (biologisch abbaubare, alkalifreie Tenside, keine optischen Aufheller und
- Bleichmittel, geringerer Wasserverbrauch als bei der Haushaltswäsche)
- Auszeichnung mit dem Umwelt-Siegel „Blauer Engel“ möglich, sofern bestimmte Anforderungen erfüllt werden (Vor- und Nachdetachur mit umweltfreundlichen KWL und halogenfreien Lösemitteln möglich)
Quelle: Forschungsinstitut Hohenstein, Bönnigheim, 15. Mai 2006