Kostenbelastung im Textilservice steigt im ersten Quartal 2023 weiter

Berlin, 29.06.2023 – Die deutsche Wirtschaft ist in einer Rezession. Die Gründe dafür liegen vor allem auf der Angebotsseite, aber auch Investitionen und Konsum werden derzeit geschwächt. Zu wenig Arbeitskräfte, Umbau von Lieferketten, steigende Zinsen, hohe Steuerbelastung, hohe bürokratische Hürden für große und kleine Investitionen und inflationär bedingte, sinkende Realeinkommen kennzeichnen die Situation. Entsprechend ist im ersten Quartal des Jahres 2023 auch der Kostenindex für den Textilservice weiter gestiegen von 132 auf 135 Indexpunkte.

Die Energiekosten der Unternehmen werden durch die Strom- und Gaspreisbremse insgesamt auf ein niedrigeres Niveau gedrückt. Vor allem dadurch fallen die Energiekosten von 184 Indexpunkten zum Ende 2022 auf 170 Indexpunkte im März 2023.

Trotz der Energiepreisbremse sind die Energiekosten seit dem Basisjahr unseres Index 2015 doppelt so stark gestiegen wie der Index insgesamt. Die Energiepreisbremsen gelten zunächst bis Ende 2023. Politisch gesehen ist unklar, wie die Subventionierung weitergeht. Generell ist noch nicht abzusehen, ob und wie der Umbau der deutschen Energieversorgung zu niedrigeren Energiekosten führen wird.

Die Arbeitskosten werden kräftig zulegen
Bei den Arbeitskosten liegen diesem Index die Tarifverträge bzw. die gesetzlichen Mindestlohnbestimmungen zugrunde. Der im März 2023 noch gültige Tarifvertrag der Intex hat einen ungewöhnlich langen Zeitraum gehabt, der auf der Arbeitskostenseite eine lange tarifliche Ruhe gebracht hat. Die letzte tarifliche Lohnerhöhung im August 2022 betrug in einer stark inflationären Umgebung 2,0 Prozent, welches den Jahresdurchschnitt der Tariflohnbelastung maßvoll ansteigen ließ. Bei den Unternehmen der Tatex ist der Kostenindex auf den gesetzlichen Mindestlohn als Basis umgestiegen. Dadurch gab es mit der zügigen Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns ab Oktober 2022 eine Erhöhung der Kostenbelastung.

Es muss davon ausgegangen werden, dass der neu zu verhandelnde Tarifvertrag der Intex angesichts der inflationären Geldentwicklung einen deutlichen Lohnzuwachs bringen wird. Auch der gesetzliche Mindestlohn wird per Verordnung zum 1. Januar 2024 um 3,4 Prozent angehoben werden. Soweit die Wäschereien in der Tatex zusammengeschlossen sind, ist davon auszugehen, dass die Entwicklung des gesetzlichen Mindestlohns auch Einfluss auf die zukünftige Höhe der Lohnempfehlungen haben wird.

Auch Textilien und Waschchemie werden teurer

Die Entwicklung der Kostpreise bei Textilien verlief im ersten Quartal 2023 unterhalb der allgemeinen Inflation. Der Textilkostenindex stieg von 127 Ende des Jahre 2022 auf 131 im März 2023 um 4 Punkte. Dabei stiegen nicht so sehr die importierten Textilien, sondern die in Deutschland hergestellten Waren. Hervorzuhaben ist, dass bei den branchenspezifischen Kostpreisen auch die gewerblichen Waschmittel im ersten Quartal 3 Indexpunkte zugelegt haben.

Bei den für alle Unternehmen wesentlichen Kosten ist wichtig, dass die Zinsen für gewerbliche Finanzierungen weiter stark ansteigen. Vom Jahresende 2022 bis Abschluss des ersten Quartals 2023 stieg der Finanzierungskostenindex um 46 Punkte von 174 auf 220 Indexpunkte. Zusätzlich haben die Banken aus risikopolitischen Überlegungen ihre Bonitätsanforderungen erhöht.

Gesamtsituation belastet Textilservice erheblich

Der Textilservice ist prozyklisch geprägt. Geht es den Kunden gut, erhöhen sie ihre Nachfrage. Ist der Geschäftsverlauf unbefriedigend, wird selbst im Rahmen von Drei-Jahresverträgen das Wäscheaufkommen reduziert. Es gibt zwar Zeitverzögerungen und gewisse Vertragspuffer bei der Anpassung des Textilservice an die gesamtwirtschaftliche Situation, aber im Grunde ist der Textilservice prozyklisch. Die Rezession belastet deshalb auch den Textilservice und die Wäschereien.

Hinzukommt, dass 2023 kein Ende der Kostpreissteigerungen in den zentralen Bereichen Personal, Waschchemie, in Deutschland produzierte Textilien und Finanzierung abzusehen ist. Die Energiepreise werden politisch niedrig gehalten, aber es ist weder klar, wie dies 2024 weitergeht, noch ob die Energiewende zu erträglichen Energiekosten führen wird. 2023 werden die Kostpreise des Branchenindex daher alle Voraussicht nach weiter ansteigen.

Auch bei den Wäschereien steigen die Kosten

Für reine Wäschereidienstleistungen, die vornehmlich von kleineren Wäschereien geleistet werden, geht der Kostenindex im Vergleich zum Vormonat zwar zurück, liegt mit 137 Indexpunkten jedoch immer noch über den 133 Punkten, die Ende 2022 zu verzeichnen waren. Die Reduktionseffekte der Energiepreisbremse wirken sich in diesem Index stärker aus, weil Energie einen höheren Anteil an den Kosten hat. Umgekehrt belasten die Preiserhöhungen bei Textilien die Kosten der reinen Wäschereidienstleistung nicht. Insgesamt sind auch bei den Wäschereidienstleistungen die Kosten der eingesetzten Ressourcen gestiegen.

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